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Gefahr im Alltag: Gift im Garten!

 

'Wurde mein Liebling vergiftet?'...eine in der Praxis häufig gestellte Frage oder Vermutung des Tierbesitzers. Zum Glück ist in Wirklichkeit höchstens 1 Patient von 1000 wirklich böswillig vergiftet worden. In weitaus den meisten Fällen handelt es sich um sogenannte Lebensmittelvergiftungen, was will heissen, dass der Patient ein verdorbenes, mit Bakterien überbevölkertes Nahrungsmittel oder Resten davon aufgenommen hat. Dies ist der Alltag in der Tierarztpraxis. Diese Tiere haben Durchfall, erbrechen häufig, oder zeigen im schlimmeren Fall erste Zeichen einer Sepsis (Blutvergiftung mit Bakterien und deren Giftstoffe). Lebensmittelvergiftungen können in der Regel schnell und effizient behandelt werden und haben fast immer eine gute Prognose, wenn man rechtzeitig behandeln kann.

 

Vergiftungen im eigentlichen Sinn durch böswillige Deponierung von vergifteten 'Ködern' durch den bösen Nachbarn oder irgendwelche unbekannte Tierhasser kommen zwar ganz selten mal vor, werden aber fast täglich vermutet, oder im schlimmeren Fall gar direkt unterstellt (..was beispielsweise die gute Nachbarschaft, schwer belastend kann). Man sollte mit solchen Vermutungen sehr vorsichtig sein, denn nur in ganz seltenen Fällen, bestätigt sich dieser Verdacht auch. Allgemein kann man nicht einfach das Blut untersuchen, um Gifte festzustellen, denn es gibt tausende von Giften, und man kann nicht nach allen Suchen. Vielmehr ist eine eingehende Untersuchung des Patienten erstmal durchzuführen. Meistens lassen die Anzeichen am Patienten bereits erahnen, wo das Problem wirklich liegt. Sollten aber eindeutige Vergiftungsanzeichen vorliegen, muss natürlich auch der Herkunft dieses Giftes nachgegangen werden!

 

Die grössten Gefahren für unsere Lieblinge lauern leider meistens dort, wo man sie am wenigsten vermutet: Im Alltäglichen!

 

In den warmen Jahreszeiten ist der Garten ein grosses Thema, wer kämpft nicht gegen Schnecken? Jedoch wird dabei leider oft vergessen, dass es verschiedene Schneckengifte gibt:

 

Gefahr Nr. 1: Schneckengift!

 

Schneckengift ist nicht gleich Schneckengift: Leider werden immer noch Schneckengifte verkauft, die das hochgiftige Metaldehyd enthalten! Im Geschmack süss, scheinen die meistens blauen Schneckenkörner für Hunde sehr anziehend zu sein und werden gerne gefressen. Es spielt keine Rolle ob im Garten ausgestreut oder noch in der Packung, die Hunde finden leider immer wieder einen Weg, diese Körner zu fressen! Und schon recht wenige Körner können ein tödliche Dosis bedeuten...besonders da es leider kein direktes Gegenmittel gibt! Je nach Gehalt der Körner, können zum Beispiel bereits 100 Gramm für einen 20 kg schweren Hund den Tod bedeuten! Auch für Kleinkinder bedeuten solche Körner eine enorme Gefahr! Sowas gehört einfach nicht in Garten oder Haushalt!

 

Hat ein Hund solche Körner gefressen (gleichgültig welche Menge), muss man sofort im Notfall einen Tierarzt aufsuchen, denn Zeit ist sehr wichtig! Nicht erst auf die Symptome (Muskelkrämpfe, Hächeln, Erbrechen etc...) warten, denn dann kann das Gift nur noch ungenügend aus dem Magen entfernt werden. Bitte nehmen Sie die Verpackung des Giftes mit zum Tierarzt!

 

Metaldehyd gibt es auch in Tablettenform als Anzündehilfe für Camping-Kocher und Aehnliches. Da drohen natürlich die gleichen Gefahren!

 

Wenn unbedingt Schneckenkörner in den Einsatz gelangen müssen, dann besser Eisen(III)-phosphat (Ferramol, Biomol) haltige Körner. Diese sind für die Umwelt wesentlich unbedenklicher und bisher sind uns keine Vergiftungswirkungen bekannt. Diese Körner sollten auch für Igel kein Problem darstellen.

 

Auch nicht gut sind Schneckenkörner, die Organophosphate und Carbamate enthalten wie das Methiocarb (Mesurol)! Diese Nervengifte sind ebenfalls für alle Säugetiere sehr giftig und stellen daher ein grosses Risiko für Mensch und Tier dar!

 

Labradorhündin Kim

 

Im Bild: Unsere Patientin, die 8 jährige Labradorhündin Kim, hat Glück im Unglück gehabt: Ihre Besitzerin ist rechtzeitig mit ihr zu uns in die Praxis gekommen nachdem Kim ca. 100-200 gr, ausgestreute Schneckengift-Körner im Garten zusammengeschlabert hat. Die Besitzerin hat die Verpackung (war keinerlei Kennzeichnung drauf, dass es für Mensch oder Tier giftig ist!) mitgebracht und wir konnten gezielt behandeln. Nach der Magenspülung in Sedation konnten mit einer Nacht lang Infusionen und Medikamenten die Symptome (Muskelzittern und Krämpfe, Uebertemperatur) kontrolliert werden und das Gift wurde aus dem Körper eliminiert. Kim ist unterdessen wieder wohlauf und zu Hause.

 

 

Gefahr Nr. 2: Mäuse- und Rattengift!

 

Diese Gifte sind in jedem Fall für unsere Haustiere eine Gefahr! Es gibt diverse Produkte und sie enthalten teilweise ganz verschiedene Gifte. Die Auswahl reicht von Giften die die Blutgerinnung verunmöglichen bis hin zum Nervengift! Sehr grosse Vorsicht im Umgang mit solchen Produkten ist also angebracht! Sie müssen zu 100% unerreichbar für Kinder und Haustiere aufbewahrt und ausgebracht werden!

 

Wird ein Mäuse- oder Rattengift gefressen, sofort zum Tierarzt! Bitte nehmen Sie die Verpackung des Giftes mit!

 

Gefahr Nr. 3: Pflanzen und Nahrungsmittel!

 

Da es eine Vielzahl von Pflanzen gibt, können wir hier natürlich nicht alle erwähnen. Es gibt aber Möglichkeiten im Internet, die Giftigkeit der Pflanzen nachzuschauen: www.giftpflanzen.ch

Was jedoch für den Menschen gesund sein kann, ist vielleicht für die Katze oder den Hund giftig! Zum Beispiel genügt ein ganze Knoblauchknolle, um einem Hund mit 10 kg Körpergewicht lebensbedrohliche Probleme zu bereiten! Bitte beachten Sie dazu in unserer Rubrik 'downloads', 'Vergiftungen' die entsprechenden Listen und Hinweise! So ist zum Beispiel auch Schokolade ein Gift für den Hund!

 

Gefahr Nr. 4: Medikamente für Menschen!

 

Es ist uns hier nicht möglich, Ihnen alle Menschen- Medikamente aufzulisten, die unseren Haustieren schaden können. Auch in der Apotheke ist das Personal nicht genügend für Tiere geschult! Hunde und Katzen sind keine kleinen Menschen und haben ganz andere Ansprüche an  Medikamente!!! Fragen Sie in jedem Fall Ihren Tierarzt bevor Sie irgendwas selber ausprobieren!!!

 

Natürlich gibt es noch viele andere Gifte zu Hause oder unterwegs. Wir können hier nur Hinweise geben. Wenn man nicht sicher weiss, ob giftig oder ungiftig, kann manchmal das Internet helfen: www.clinitox.ch

 

 

Keine Schoggi für Hunde und Katzen bitte!

 

Heutzutage werden Schoko-Drops für Hunde in Pet-Shops und Grossverteilern wie Lidl verkauft, als wäre es die 'normalste Sache der Welt', Kleintiere damit zu füttern. Aber das ist wirklich keine gute Sache, wie Sie aus folgendem Zeitungsartikel aus dem Höfner Volksblatt entnehmen können:

 

Zeitungsartikel Höfner Schoggi