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Uebergewichtig? Was tun?

 

Ist mein Haustier zu schwer? Füttere ich richtig? Muss ich was ändern? Drei Fragen, die bei vielen Haustierbesitzern zu Verunsicherung führen. Oft wird die Unsicherheit durch Nachbarn oder Besucher, vielleicht selber auch Haustierbesitzer, verstärkt durch Bemerkungen, wie: 'Du bist aber ein Dickerchen oder so ähnlich'.

 

Schon die erste Frage ist nicht immer 100% zu beantworten und muss bei jedem Haustier individuell bestimmt werden: Das Idealgewicht, wo liegt es denn eigentlich? Es gibt da verschiedene Philosophien und die Antwort ist nicht eine absolute Zahl sondern vielmehr ein Gewichtsbereich, der als natürlich und gesund anzusehen ist. Gewichtsschwankungen sind normal und gehören zur Natur. Viele Wildtiere sind im Herbst viel dicker als im Frühjahr, denn Fett ist ein Energiespeicher für schlechte Zeiten! Auch unsere Haustiere, ganz besonders Katzen, haben einen 'Gewichtsrhyhtmus', der als natürlich und gesund anzusehen ist, ganz ähnlich wie bei Wildtieren. Erst wenn das Haustier diesen Gewichtsbereich verlässt, drohen langfristig Krankheiten.

 

Wenn wir in der Praxis die Frage nach dem Idealgewicht gestellt bekommen, schauen wir in keiner Tabelle nach, sondern wir beurteilen das vorgestellte Tier nach gewissen Kriterien und ermitteln damit, ob wir nun im normalen Bereich liegen oder nicht. Wenn nicht, geben wir eine ungefähre prozentuale Abweichung nach oben oder nach unten an. Zusammen mit dem aktuell gemessenen Körpergewicht, können wir dann ausrechnen, wo das ideale Gewicht etwa liegen sollte und daraus lässt sich dann folgern, was wir in der Fütterung ändern sollten.

 

Körpergewichtsbeurteilung Hund   Körpergewichtsbeurteilung Katze

 

Uebergewicht ist ab einem gewissen Mass tatsächlich eine gesundheitliche Bedrohung für unsere Haustiere, ganz besonders, wenn sie überwiegend im Haus also 'indoor' gehalten werden. Bei indoor-Tieren tritt gehäuft Arthrose an den Gelenken auf, denn sie bewegen sich zu wenig und die Gelenke werden dadurch zuwenig ernährt und geschmiert. Uebergewicht verschlimmert dieses Problem deutlich. Uebergewichtige Tiere sind deutlich mehr gefährdet an Zuckerkrankheit zu erkranken. Weitere Krankheiten, die mit Uebergewicht stark gefördert werden sind Herzerkrankungen und die Bildung von Harnsteinen.

 

Bei den ausschliesslich im Haus gehaltenen Tieren, wie zum Beispiel viele Katzen, tritt Uebergewicht leichter auf und ist auch viel schwieriger wieder wegzubringen, weil sie sich ja nicht so viel bewegen. Darum ist es ratsam, schon bei leichterem, eigentlich noch nicht gesundheitsgefährdendem Uebergewicht, die Fütterung etwas anzupassen. Ist zum Beispiel eine eigentlich 4 kg schwere Katze mal plötzlich 5 kg schwer, hat sie 1 kg zuviel, ja und? Nun das entspricht 25% Uebergewicht. Bei einem Mensch würde das bei einem 60 kg Durchschnittsgewicht bedeuten, dass er dann eben 75 kg schwer ist, also 15 kg zu viel! Wir alle wissen wohl, was es bedeutet, als Mensch 15 kg abnehmen zu wollen, und das mit Diät und Fitness-Studio oder was auch immer. Für Indoor-Katzen gibt es aber kein Fitness-Studio oder sonstige sportliche Aktivitäten um den Kalorienverbrauch zu erhöhen. Was sonst? Der Faktor Fütterung oder eben 'Diät' wird dadurch zu einem wichtigen Thema. Bei Hunden kann man sich als Tierbesitzer natürlich gleich mal selber etwas 'an der Nase nehmen' und sich fragen: Geh ich denn genug mit meinem Hundi spazieren? Hat er genügend Auslauf? Wenn nein, dann sollte man das natürlich als erstes gleich verbessern! Kann man selber aus zeitlichen oder gesundheitlichen Gründen das nicht vermehrt tun, sollte man das an einen HundesitterIn abgeben. Es gibt heute ein vielfältiges Angebot. Ihr Hund profitiert dabei gleich mehrfach: Neben der dringend nötigen Bewegung und Beschäftigung hat er dabei noch die Möglichkeit, Sozialkontakte auszuleben, was für die meisten Hunde ebenfalls sehr wichtig ist. Die Diät kommt beim Hund erst als zweite Massnahme. Jedoch bei kleinen Heimtieren, wie zum Beispiel Meerschweinchen ist die Fütterung wiederum an erster Stelle! (dazu mehr unter: http://www.obersee-praxis.ch/index.php/informationen-fuer-tierhalter/ernaehrung-von-kaninchen-und-meerschweinchen)

 

Die grösste Schwierigkeit beim Versuch unsere Haustiere etwas abzuspecken ist die, dass wir sie halt lieben. Unsere Haustiere wiederum fressen fast alle sehr gern und diesen Spass wollen wir ihnen eben nicht verderben. Es ist aber sehr wichtig, dass wir diesem Umstand Rechnung tragen und nicht verdrängen. Wir müssen also einen Weg suchen, um diesem Bedürfnis gerecht zu werden, und wir unsere Lieblinge weiterhin verwöhnen können, ohne aber ihnen zu schaden! Das Fütter ist neben der schlichten Notwendigkeit an sich eben auch ein wichtiger täglicher Kontakt zwischen dem Haustier und seinem Besitzer. Ja für viele Haustiere sogar das 'highlight' des Tages! 

 

Soweit so gut, aber was tun, wenn ich konkret eine übergewichtige Hauskatze habe? Der 'Leitsatz': ¨Friss die Hälfte!¨, wie er noch oft von den Menschen ausprobiert wird (meist mit wenig Erfolg, allerdings) funktioniert nicht gut. Die Tiere tolerieren Hungergefühle schlecht, werden betteln und sonst Unruhe und Unzufriedenheit an den Tag legen, woraufhin die Besitzer diesen Leitsatz sehr schnell wieder aufgeben werden. Obwohl man die Futtermenge im Griff haben sollte, indem man die Futtermenge abmisst und nicht mehr anbietet als vorgesehen, kann man allein über die Mengenreduktion des Futters das Problem eben meistens nicht sinnvoll in den Griff bekommen. Essen ist ein Teil der täglichen Beschäftigung unserer Haustiere und als solche sehr wichtig! Wir sollten also eher schauen, dass unsere Haustiere länger beschäftigt sind mit Essen! Wie erreichen wir das denn? Schauen wir doch einfach den 'Profis' über die Schulter: Im Zoo werden die Tiere immer einfallsreicher gefüttert, das Futter wird auf verschiedenste Weise versteckt und die Zootiere müssen sich anstrengen, um an das Futter zu gelangen! Unsere rein indoor gehaltenen Tiere haben nun eben eine sehr ähnliche Situation, wie diese Zootiere, sie sind eher unterbeschäftigt. Darum wird empfohlen, erstens Fütterungszeiten einzuführen statt rund um die Uhr einfach immer Futter anzubieten, um einerseits die Futtermenge besser kontrollieren zu können und andererseits dem Tag etwas 'Struktur' zu geben. Zweitens nicht alles Futter einfach so im Futtergeschirr anzubieten sondern einen rechten Teil zu 'verstecken'. Dafür gibt es heute allerlei spezielle 'Spielzeuge' zu kaufen, in die man Futter packen kann. Das funktioniert aber nur, wenn man nicht zu viel Futter anbietet, und das versteckte Futter auch wirklich benötigt wird, um den Hunger zu stillen, sonst fehlt oft die Motivation, das Futter auch zu 'suchen' und heraus zu 'fischen' zu 'schütteln' oder was auch immer. Vergessen sie nicht, die Futtermenge sollte zum  'Zielgewicht' unseres Haustieres passen und nicht zum aktuellen Uebergewicht!

 

Katze mit Fütterungsspielzeug   Kater im Spiel mit Futterdosierer

 

Neben der Menge und der Art wie das Futter angeboten wird ist aber das allerwichtigste, was wir füttern, um eine Gewichtskontrolle herbeizuführen und schonend Gewicht abzubauen. Dabei können uns heute käufliche Diäten sehr helfen, in dem damit bei unseren Haustieren keine unnötigen Hungergefühle entstehen und die notwendige Beschäftigung durch das Futter erhalten bleibt!

 

Käufliches Fertigfutter für unsere Heimtiere ist heute wesentlich besser als sein Ruf. Unsere Haustiere werden gleich wie wir immer älter und bleiben länger gesund, obwohl die allermeisten industrielles Fertigfutter Tag für Tag essen. So falsch kann diese Entwicklung also nicht sein. Auch die Tierfutterindustrie hat viele Fortschritte gemacht und bietet heute qualitativ hochwertige Futter ganz ohne künstliche   Konservierungsmittel und Zusatzstoffe an. Die Futter einiger renomierter Hersteller basieren auf ausgeklügelter Forschung und beugen vielen Krankheiten schon prophylaktisch vor. Für kranke Tiere gibt es passende Diäten mit denen es den Patienten viel besser geht. Genauso gibt es eben für übergewichtige Tiere (Adipositas) passende Diäten, die es erlauben, die Tiere an Gewicht verlieren zu lassen, ohne dabei den Stoffwechsel zu belasten oder Hungergefühle entstehen zu lassen. Das geschieht ohne künstliche Zusatzstoffe, alleine durch eine geschickte Zusammensetzung der Futter. Diese Diäten erleichtern das Abnehmen sehr. Diese Diäten sind sehr wohlschmeckend, es gibt sie von verschiedenen Herstellern als Trockenfutter und verschiedenartige Nassfutter sowie in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Wir beraten Sie gerne individuell und können Ihnen auch Probepackungen abgeben.

 

Hill's metabolic Futterlinie eine gute Wahl

 

Was für eine Rolle spielt denn nun der viel diskutierte 'Zucker' in der Tiernahrung? Macht Zucker in der Tiernahrung unsere Haustiere krank?

 

¨Allzu viel ist ungesund¨, das gilt auch für unsere Tiere gleichermassen wie bei uns. Zuviel Zucker in der Nahrung ist nicht wünschenswert, aber auch unsere Haustiere brauchen sogenannte Kohlenhydrate, eben Zuckerarten, als 'Treibstoff'. Also macht es wenig Sinn alle Tierfutter nach Hinweisen ab zu suchen, ob sie eventuell etwas Zucker enthalten. Unsere Haustiere werden nicht zuckerkrank, weil etwas Zucker in den Futtermitteln enthalten sein kann, sondern weil sie im Uebermass gefüttert werden, also das Uebergewicht ist das Hauptrisiko. Aber enthält ein Futtermittel zu viele Kohlenhydrate, also zuwenig Fleisch dafür zuviel Zucker oder Getreide sind sie gerade bei Katzen ein Risikofaktor für die Entstehung einer Zuckerkrankheit. Bei billigen Futtermitteln, wird leider oft beim Fleischanteil gespart, das ist nicht gut. Es lohnt sich also gerade bei Katzen in teurere Futtermittel zu investieren! Die Katzen und Hunde werden es Ihnen mit einer besseren Gesundheit und einem schönen Fell danken, denn teurere Futtermittel enthalten auch mehr von den so wichtigen essentielle Fettsäuren.

 

 

Ist eine reine Fleischfütterung wirklich gesünder, wie das oft behauptet wird?

 

Fleisch ist sicher wichtig in der Fütterung von Hunden und Katzen. Für Katzen als reine Fleischfresser ist es unersetzbar (essentiell) und muss zwingend angeboten werden, sonst drohen schwere Mangelzustände, Hunde, abstammend vom 'Beutetier-Fresser' Wolf, sind auch auf tierische Nahrungsmittel angewiesen, sie müssen aber nicht vorwiegend mit Fleisch ernährt werden (semi essentiell). Rohes Fleisch ist für Hund und Katze an und für sich sehr gesund. Aber es gibt verschiedene Faktoren, die eine Rohfleischfütterung zum Risiko machen können. Einerseits sind unsere Haustiere keine  'Aasfresser', das heisst sie brauchen wirklich frisches Fleisch, das auch für uns Menschen gesundheitlich unbedenklich wäre. Das ist eine recht teure und aufwändige Sache. Andererseits brauchen gerade Hunde mehr als nur reines Fleisch, damit sie gesund bleiben, denn Fleisch alleine bietet eben nicht alle Nährstoffe die nötig sind, es ist zu einseitig. Ohne weitere Zusätze fallen die Tiere dann mit der Zeit in Mangelzustände! Hunde haben sich über hunderte von Jahren an den Menschen angepasst und kommen mit deutlich weniger Fleisch aus, als der Wolf. Bei wachsenden Hunden, besonders solche, die sehr gross werden, können gerade durch eine übermässige Proteinzufuhr (zu hoher Fleischanteil) Wachstumsstörungen ausgelöst werden. In den meisten Fällen ist eine Fütterung mit kommerziell erhältlichen Futtermitteln also sicherer und gesünder für unsere Haustiere.

 

Und wie ist es denn mit den Belohnungs-Häppchen?

 

Eigentlich müsste man die 'Belohnungs-Gutzis' in die tägliche Futterration einberechnen, was sich aber etwas schwierig gestalten kann. Oft wird emfohlen, dass normal Futter auch zur Belohnung einzusetzen. Eine gute Lösung, aber der Anreiz für das übliche Futter, was spezielles zu leisten, ist halt etwas kleiner, als wenn man dann etwas Besonderes anbieten kann. Darum gibt es auch sogenannte 'treats' als Belohnung zu kaufen, die zwar besonders schmecken, aber trotzdem die Diät nicht durchbrechen:

 

 Hunde-treats   Katzen-Treats

 

 

Zusammengefasst: Es gibt objektive Kriterien, ob eine Tier übergewichtig ist oder nicht. Starkes Uebergewicht ist ein ernstes Gesundheitsrisiko. Abnehmen bei Haustieren ist heute einfacher als früher und bedeutet für unsere Lieblinge keine Qual. Wir helfen Ihnen gerne weiter, kommen Sie doch einfach bei uns vorbei.