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Ernährung von Kaninchen und Meerschweinchen

 

Meerschweinchen brauchen Heu

 

Wild lebende Kaninchen und Meerschweinchen ernähren sich von Wurzeln, Rinden, Kräutern, Zweigen, trockenem Gras und frischen Pflanzen. Den weitaus grössten Teil des Tages verbringen sie mit der Nahrungssuche und sind fast dauernd am fressen. Mit diesen Pflanzen nehmen sie sehr viele Rohfasern auf. Damit lässt sich ableiten, wie wichtig Heu für unsere Haustiere ist.

 

Heu muss über den ganzen Tag frisch angeboten werden. Heu vom Vortag schmeckt muffig und animiert nicht mehr zum fressen. Das Heu ist wichtig für die Abnutzung der (Backen-)Zähne und die Darmmotorik. Es sollte 2-3 Stunden vor dem Grünfutter angeboten werden.

 

Meerschweinchen und Kaninchen sind zwar neugierige Tiere und Abwechslung in der Ernährung beschäftigt sie - eine Futterumstellung muss aber sehr langsam über 14 Tage erfolgen, sonst bekommen sie Durchfall.

 

Sowohl Kaninchen wie auch Meerschweinchen sind darauf angewiesen ständig Heu (Rauhfutter) zu sich zu nehmen um die Verdauung aufrecht zu erhalten. Im Dickdarm befindet sich ein Gleichgewicht verschiedener Bakterien (Darmflora), die die Verdauung gewährleisten und die in der Nahrung enthaltene Zellulose aufspalten. Jede Futterkomponente braucht ihre spezifischen Bakterien, die miteinander ein kompliziertes und labiles Gleichgewicht bilden. Befindet sich nicht genügend Nahrung im Magen oder wird zuviel Grünzeug, gärendes Futter oder zuviel Gemüse / Früchte verfüttert, können sich bestimmte nicht erwünschte Bakterien schnell vermehren und es kommt zu Verdauungsstörungen, Durchfall und Blähungen, die zum Tod des Tieres führen können. Dies nennt man eine Dysbakterie.

 

Das verfütterte Heu sollte möglichst viele verschiedene Gras- und andere Pflanzenarten wie Kräuter enthalten. Wichtig ist, dass das Heu trocken ist und nicht staubig oder schimmlig ist. Es sollte frisch riechen.

 

Geeignete getrocknete Kräuter und Blätter können auch im Internet bei www.waltershop.ch bestellt werden.

 

Abgesehen von der Ernährung ist das Heu auch von eminenter Bedeutung für den Abrieb der Zähne - ohne einer Ernährung auf Heu-Basis kommt es zu überlangen Zähnen und Zahnspitzen, die wiederum zu Problemen führen und regelmässig vom Tierarzt geschliffen werden müssen.

 

Grünfutter wie Salat, Karotten, Sellerie, Gurken, Fenchel, Peperoni, Gartenkräuter, Löwenzahn, Peterli, Gras, Klee und Brennnesseln müssen in sehr kontrollierten Mengen angeboten werden, sonst führen sie zu Durchfall. Wir empfehlen bei gesunden Kaninchen oder Meerschweinchen (ohne schon bestehende Darm-Problematik) nicht mehr als 50 g pro Tier und Tag anzubieten. Auch sollte dieses Futter sofort entsorgt werden wenn es welk wird, also auf keinen Fall mehrere Stunden rum liegen lassen.

Gras oder Kräuter dürfen nicht feucht sein, sonst beginnen sie im Magen-Darm-Trakt zu gären. Das gleiche gilt für feuchte Wiesen - besonders im Herbst führt das Gras häufig zu Koliken.

 

Früchte wie Äpfel, Orangen, Trauben, Kiwis oder Beeren enthalten viel Zucker und sind deshalb nicht besonders geeignet. Man sollte sie deshalb nur sehr sparsam, wenn überhaupt, verfüttern.

 

Bei nassem Kot (Durchfall) empfehlen wir eine Heu-Diät, nur noch 2-3 mal pro Woche darf ein Ruggeli Rüebli oder Fenchel angeboten werden und es sollte ganz auf Gras und andere Grünfutter verzichtet werden. Zusätzlich sollten die Darmbakterien mittels Produkte wie Benebac oder Protexin ergänzt werden. Der After muss täglich vom klebrigen Kot gereinigt werden, sonst können dort Fliegen ihre Eier ablegen und es kommt zu einem lebensbedrohlichen Befall mit Maden.

 

Vitamin C: im Gegensatz zum Kaninchen können Meerschweinchen das Vitamin C nicht selber bilden. Dieses muss über das Futter (Petersilie, Löwenzahn) oder besonders geeignete Vitamin-Präparate aufgenommen werden.

 

Mineralstoffe: Ein Nageleckstein stellt ein wichtiger Beitrag zur optimalen Mineralversorgung dar (Ausnahme bei Kaninchen die zu Harngries neigen)

 

Körnermischungen: Meerschweinchen und Kaninchen brauchen in der Regel keine Getreide-Körner, ausser Tiere, die im Winter draussen gehalten werden sowie tragende und säugende Muttertiere und Jungtiere. Wir empfehlen in diesen Fällen ca. 1 Tee- bis Esslöffel Körner pro Tier und Tag.

 

Eine Überfütterung mit Getreide-Körner oder Flocken sowie Pet-Shop-Pellets mit Getreide kann sowohl zu Blasensteinen und wie auch zu einer Dysbakterie führen!

 

Wasser muss täglich erneuert werden und sollte möglichst in einem Napf und nicht in einer Trinkflasche angeboten werden. Aus einem Napf wird mengenmässig mehr getrunken und ist somit eine gute Prophylaxe gegen Harnsteine.

 

Nagetrieb: Meerschweinchen und Kaninchen sind Tiere mit einem ausgesprochenen Nagetrieb. Sie haben Schneide- und Backenzähne, die ständig nachwachsen und deshalb eine kontinuierliche Abnutzung benötigen. Diese Abnutzung wird gefördert durch ein geeignetes Rauhfutter, wie Heu und Stroh und auch frischen Zweigen wie Halsnusssträuchern, Weissbuchen, Weide oder Apfelbaum.

 

Kaninchen mit zu langen Schneidezähnen  Zahnkorrektur Kaninchen

 

Hartes Brot trägt nicht zur Abnutzung der Zähne bei, die Tiere werden davon nur dick und bekommen Verdauungsstörungen. Also bitte nicht anbieten!

 

Dickdarmkot: Es ist normal, dass sowohl Kaninchen wie auch Meerschweinchen den eigenen weichen Kot fressen. Es handelt sich dabei um den Dickdarmkot, der zu einer deutlich höheren Nutzung von Nährstoffen, wie Eiweissen und Vitaminen führt.

 

Wenn ein Tier zu Blasengies oder -Steinen neigt, sollte möglichst Kalzium-arm ernährt werden.  Man sollte dabei Getreide-Körner, Pellets, Flocken, Luzerneheu, Kohlrabiblätter, Petersilie und Brokkoli vermeiden. Zudem sollte in diesen Fällen stark wasserhaltiges Saftfutter, wie Wiesengras, Salate, Gurke und eine kleine Menge Äpfel verfüttert werden. Auch sollte die Wasseraufnahme gefördert werden in dem das Wasser in einem Napf und nicht in einer Trinkflasche angeboten wird.

 

Die im Fachhandel erhältlichen Fertigfutter wie Pellets und Flocken enthalten häufig zu viel Zucker, Getreide, Fette und Eiweisse und sind daher nicht zu empfehlen.

 

Futterumstellungen sollen möglichst langsam und über 14 Tage geschehen. Bei jeder Einführung einer neuen Futterkomponente gilt es in kleinen Mengen anzufangen und über mehrere Tage langsam steigern. So kann sich die Darmflora anpassen. Dies gilt vor allem im Frühling und Herbst wenn die Tiere frisches Gras fressen dürfen.

 

Bei zusätzlichen Fragen beraten wir Sie gerne!