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Nachricht

Gesetzliche Meldepflicht von übermässigem Aggressionsverhalten bei Hunden

 

Seit 1.9.2008 gibt es eine gesetzliche Verpflichtung für Tierärztinnen und Tierärzte Vorfälle, die im Zusammenhang stehen mit übermässigem Aggressionsverhalten von Hunden den zuständigen kantonalen Aemtern zu meldenKommen sie dieser Meldepflicht nicht nach, werden sie strafbar. Wird also eine solche Situation dem Kanton gemeldet, handelt es sich nicht um irgendeine bösartige Anzeige, sondern lediglich dem Entsprechen dieser PflichtDie Tierärztin oder der Tierarzt verzeigt den Hundehalter nicht, sondern er meldet lediglich dem Kanton eine sich für Ihn/Sie als gefährlich erscheinende Situation. Die zuständigen Fachleute des kantonalen Amtes prüfen den Fall und ordnen, falls erforderlich, die nötigen Massnahmen an. Die Meldepflicht soll so zur Sicherheit von Mensch und Hund beitragen, ohne gleich den Tierhalter als Bösewicht zu brandmarken. Die zuständigen Behörden gehen erfahrungsgemäss umsichtig mit der nicht immer einfach zu beurteilenden Situationen um und wissen Rat oder ziehen weitere Fachpersonen (Verhaltensmediziner und ausgewiesene Hundetrainer) zu. In besonders gefährlichen Fällen, ist das kantonale Amt natürlich auch befugt, drastische Massnahmen zu verfügen wie Umplatzierung eines Hundes und Verfügung eines Halteverbotes für ausgewählte Hundehalter. Im schlimmsten Fall kann auch eine Tötung des gefährlichen Hundes angeordnet werden.

 

Oftmals gilt diese Meldung aber vielmehr dem Schutz der Hundehalter selber beziehungsweise deren Familien. Weitaus die meisten Unfälle mit Hunden passieren in der eigenen Familie und leider sind sehr viele Kinder davon betroffen. Besonders auch kleine Hunde können kleine Kinder sehr schwer verletzen! Dieser Umstand wird leider viel zuwenig beachted! Wir Tierärzte erleben leider im Praxisalltag nicht selten sehr tragische Unfälle. Die Stress-Situation "Tierarztbesuch" bringt oft auch die schlechteren Seiten der Hunde zum Vorschein, die sich im Alltag vielleicht gar nie zeigen, bis zu dem besonderen Tag, der dann alles ändertWir appellieren daher an die Hundehalter, eine solche Meldung nicht als "Angriff" gegen Ihren Hund zu sehen, sondern als Vorsichtsmassnahme zum Schutze allerSelbstverständlich suchen wir auch im Alltag immer das Gespräch mit den Hundehaltern und Halterinnen! Wir versuchen die Situation im Zusammenhang mit der Stresssituation richtig einzuordnen. Im Zweifelsfall ist jedoch immer eine Meldung zu erstatten. Wir danken für Ihr Verständnis.

 

Die Rechtsgrundlage der Meldepflicht: Tierschutzverordnung Art.78: Meldung von Vorfällen:

 

1 Tierärztinnen und Tierärzte, Aerztinnen und Aerzte, Tierheimverantwortliche, Hundeausbilderinnen und Hundeausbilder sowie Zollorgane sind verpflichted, der zuständigen kantonalen Stelle Vorfälle zu melden, bei denen ein Hund:

 

a. Menschen oder Tiere erheblich verletzt hat; oder

 

b. ein übermässiges Aggressionsverhalten zeigt.

 

2 Die Kantone können die Meldepflicht auf weitere Personenkreise ausdehnen.

 

 

 

Kampfhund, was heisst das?

 

Die meisten Hunderassen wurden nicht nur wegen ihres Aussehens gezüchted, sondern haben oder hatten früher eine AufgabeEs gibt beispielsweise Rassen die sich besonders als Schutz- und Hütehunde eignen wie die diversen Schäferhunde-Rassen zeigenAndere haben eine besonders gute Nase und finden daher auch Trüffel im Boden, wie der "Trüffelhund" Lagotto zum Beispiel. Andere wiederum eignen sich zur Jagd auf kleine Tiere, die in Bauten leben, wie zum Beispiel der Cairn Terrier oder auf eher grosses Wild wie die verschiedenen LaufhunderassenDaher ist es nicht erstaunlich, dass es auch Hunderassen gibt, denen eine beondere Aggressionsneigung angezüchted wurde, um gegen andere Hunde oder gar Menschen eingesetzt werden zu können. Es ist daher erforderlich, dass Hundehalter solcher Rassen eine gute Kenntnis der genetischen Hintergründe ihrer Hunde haben und die Erziehung besonders konsequent und umsichtig durchführenDazu ist besonderes Fachwissen erforderlich und das darf von diesen Hundehaltern erwarted werden.

 

In der Schweiz gibt es bereits Kantone (zum Beispiel die Kantone Zürich und St. Gallen), die eine Haltung von ausgewählten Hunderassen verbietenKommen Besucher aus anderen Kantonen zu Besuch mit Ihren Hunden, müssen diese zwingend an der Leine geführt werden und mit einem Maulkorb ausgestatted sein, sonst drohen hohe Bussgelder (mehrere Hundert Franken). Im Kanton Schwyz ist die Haltung von Hunden spezieller Rassen nicht verboten, dafür gilt die allgemeine Leinenpflicht für alle Hunde auf öffentlichem Grund. Leider ist bei dieser Regelung vergessen gegangen, dass Hunde eigentlich gemäss Tierschutzgesetz das Recht auf geeigneten Auslauf hätten. Nun sind nicht alle Hundehalter Marathonläufer, so kommen die Hunde eben in anderen Kantonen zu ihrem Auslauf: Eine absurde Situation.

 

In unserer Praxis werden alle Hunde, egal welcher Rasse, gern gesehen. Die Voraussetzung dafür ist, dass der Hundehalter sein Hund unter Kontrolle halten kann, und der Hund keine übermässige Aggression an den Tag legt. Sonst kommt die Meldepflicht für aggressive Hunde zum Zuge. Dies gilt aber genau gleich für alle Hunde, egal welcher RasseWir dürfen aus Erfahrung sagen, dass eine Meldung zum Glück selten Erfolgen muss, und Kampfhunde bei uns bisher nicht häufiger negativ aufgefallen sind als andere RassenViele Kampfhundebesitzer sind sich ihrer Verantwortung nicht selten mehr bewusst als Halter anderer Hunderassen.