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Hunde-Staupe: Epidemie in Europa bei den Wildtieren

 

Luchse

 

 

Die Staupe der Hunde ist eine seuchenartige Viruskrankheit, die seit Jahrhunderten schon bekannt ist. Der Verlauf der Krankheit ist in der Regel so schlimm, dass die Tiere sterben, oder zumindest bleibende Schäden entstehen, selbst wenn mit Serumantikörpern oder modernen Interferonen behandelt wird. Daher ist die Prophylaxe mittels Impfung sehr wichtig, und darf nicht vernachlässigt werden! Die Impfung ist sehr erfolgreich, und hat die Krankheit bei unseren Haushunden in der Schweiz sehr gut unter Kontrolle gebracht. Woher droht nun aber Gefahr?

 

Importhunde, vorallem aus östlichen Ländern schleppen das Virus immer wieder mal wieder ein!

 

Da die Nachfrage nach gewissen Hunderassen sehr gross geworden ist und die Zucht in Mitteleuropa viel zu wenige Junghunde auf den Markt bringt, werden in östliche Ländern in Massen Junghunde gezüchtet, um diese Nachfrage zu decken und viel Geld damit zu verdienen. Leider wird die Gesundheit dieser Hunde oft komplett vernachlässigt. Die Welpen werden zu jung und oft mit gefälschten Papieren importiert. Es ist daher nicht verwunderlich, dass auch kranke Hunde importiert werden.

 

Staupe-Epidemie bei den Wildtieren!

 

Seit 2009 breitet sich die Staupe in Mitteleuropa bei den Wildtieren aus. Besonders empfänglich ist der Fuchs (in den vergangenen Jahren hunderte Füchse bereits auch in der Schweiz gestorben) der Dachs und der Wolf. Jedoch hat sich das Virus unterdessen soweit anpassen können, dass auch weitere Tierarten wie Marder und Luchse betroffen sind. Katzen sind weniger empfänglich aber nicht 100% immun dagegen. Für Menschen hingegen scheint keine Gefahr zu bestehen. Die Ausbreitung erfolgt von Osten her über Oesterreich in die Schweiz. Neu im Frühling 2015 wurden der Kanton Freiburg und das Bernerseeland bereits erreicht. Im Norden geht die Ausbreitung unterdessen über Deutschland hinaus nach Dänemark und im Süden übers Tessin bis nach Norditalien. Da das Virus gegen Hitze und Trockenheit empfindlich ist, breitet es sich nördlich leichter aus. Weil Wildtier-Todesfälle schwierig zu erfassen sind, kann man zur Zeit noch keine genauen Zahlen finden.

 

DACHSE

 

 

So verläuft Staupe:

 

Nachdem das Virus über die Luft (Tröpfcheninfektion) oder durch Kontakt mit Speichel oder Nasenausfluss übertragen wurde benötigt es Wochen bis Monate zur Entwicklung der Krankheit im befallenen Tier. Dann aber tritt meist eine fieberhafte Allgemeinerkrankung auf, ähnlich einer Grippe mit Schnupfen, Husten oder Durchfall. Diese bessert dann aber nicht, wie sonst bei einer 'normalen' Grippe, und schwächt das Tier zunehmend, es magert ab. Schlimm wird es, wenn Störungen am Nervenystem auftreten, die dann zu Verhaltensänderungen wie Lichtscheu, im Kreis laufen oder gar Krämpfe führen. Grundsätzlich kann das Virus überall im Körper zu Entzündungen führen. Da das Immunsystem geschwächt wird, leiden die Tiere bald auch an weiteren Infektionen. Ueberleben die Tiere eine solche Infektion können sie an verschiedenen Spätfolgen leiden wie Bewegungsstörungen oder Blindheit. Eine gut sichtbare Folge, die wir auch ab und zu bei importieren Hunden sehen, sind die sogenannten 'Staupe-Gebisse', Zähne mit Schmelzdefekten und Braunverfärbungen.

 

Staupe-Gebiss beim Hund

 

Die Impfung:

 

Der Junghund wird mit ca. 8 Wochen zweimal im Abstand von 2 bis 4 Wochen grundgeimpft und erhält eine Wiederholungsimpfung (Booster) nach einem Jahr. Dannach genügt eine Auffrischung alle drei Jahre. Die Impfung ist freiwillig in der Schweiz. Jedoch verlangen zum Glück Hundeschulen Hundepensionen und Tierheime sowie die meisten Hundesportlichen Anlässe und Zucht-Anlässe konsequent die Impfung. Grundsätzlich darf man feststellen, dass die Impfdisziplin auch ohne Zwang bei den Hundehaltern in der Schweiz sehr gut ist, besonders bezogen auf die Junghunde, und das sind auch die gefährdetsten Tiere. Aus diesem Grund musste bisher ein übergreifen der Staupe-Epidemie von den Wildtieren auf unsere Haushunde nicht beobachtet werden!

 

 

 

 

 

 

Impfabstände: Wir sind aktuell und beobachten die Entwicklung der Untersuchungen.

 

Ist die jährliche Impfung bei Katzen und Hunden sinnlos geworden? Eine Frage, die man sich nicht erst seit dem K-Tip Artikel (link zum Artikel K tip) stellt. Der K-Tip hat hier leider wiedermal eine allgemeine Verunsicherung ausgelöst ohne richtig zu informieren. Ein Artikel, bei dem schon das Titelbild falsch gewählt wurde (der Hund wird da nicht geimpft sondern mit einem Mikrochip versehen) wirkt nicht sehr seriös. Inhaltlich rennt er bei uns zumindest offene Türen ein, denn wir impfen beispielsweise schon seit 5 Jahren die Hunde gegen Staupe, Parvovirose und Hepatitis im Abstand von 3 Jahren, nach abgeschlossener Grundimpfung.

 

Viele Untersuchung zum Thema: 'Wie lange schützen die Impfungen?' wurden schon gemacht. Sicher ist, für jede Impfung gibt es mindestens eine separate Antwort. Also eine generelle Regel gibt es schonmal nicht. Das zweite Problem: Wieviele Abwehrkörper braucht das Tier, damit die Auwirkung der Impfung noch schützt? Auch dieses Thema ist umstritten und nicht mit 100% Sicherheit zu beantworten. Für uns sind Untersuchen an Hunden, die im ganz normalen Leben stehen (also keine Versuchshunde!) Besonders interessant. Diese Untersuchungen zeigen am ehesten, wie sich Impfungen im ganz normalen Alltag auswirken. So hat zum Beispiel eine ausführliche Untersuchung in Oesterreich (Schoder et al, 2006) in Kleintierpraxen aufgezeigt, dass bei gut grundimmunisierten Hunden unter Praxisbedingungen ab 18 Monaten nach der letzten Impfung bereits 30% der Hunde nicht mehr einen genügend schützenden Abwehrkörpertiter aufwiesen. Damit die ganze Hundepopulation genügend geschützt ist, müssen mindestens 70% der Hunde gut geschützt sein. Daraus folgt, dass zwar 70% nach 18 Monaten gut geschützt sind, aber auch 30 % nicht mehr! Soll man also nun wieder jährlich gegen Staupe impfen? Dazu muss man jeden einzelnen Impfstoff testen, einzelne Impfstoffe sind unterdessen für 3 Jahresabstand geprüft worden, andere nicht. Also kein einfaches Thema. Wir versuchen laufend die aktuellen Untersuchungen zu berücksichtigen und in unseren 'Impfalltag' einfliessen zu lassen. Die Regel: Soviel als nötig, so wenig als möglich, aber ohne unnötige Risiken einzugehen. Man sollte nicht vergessen, dass wir Hunde und Katzen vorallem gegen Krankheiten schützen, gegen die es direkt keine wirksamen Behandlung gibt (Staupe, Leukose) oder es handelt sich um Zoonosen, die auch für den Menschen von Bedeutung sind (Tollwut, Leptospirose)! Zudem sind unsere modernen Impfstoffe ohne jegliche Beimischungen (wurden früher zur Wirkungsverstärkung eingesetzt) und Konservierungsstoffe, es sind also reine biologische Produkte.

 

Grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass Impfungen gegen Viren (Staupe, Parvovirose oder Katzenleukose beispielsweise) eher länger halten und eher kleinere Antikörperpegel zum Schutz ausreichen, wohingegen Impfungen gegen Bakterien (Leptospiren oder Bordetellen) oder gar Parasiten (Babesien) kürzer anhalten und einen deutlich höheren Abwehrkörper Pegel benötigen, um wirksam zusein. Daher ist der Hauptgrund, warum Hunde in der Schweiz doch mehrheitlich jährlich geimpft werden sollten die Leptospirose (siehe auch separater Artikel auf unserer Homepage zum neuen Leptospirose-Imfstoff) und bei einigen Hunden auch die Babesiose oder die Leishmaniose (besonders solche die häufig in den Süden reisen). Die Leptospirose ist als separater Impfstoff erhältlich, kann und wird bei uns auch separat geimpft. Die Impferinnerungen, die wir verschicken erinnern nur, dass eine Impfung wiederholt werden sollte, damit sie nicht vergessen geht, was aber dann jeweils geimpft wird, kann jedes Jahr anders aussehen und hängt auch vom individuellen Hund und seinem Leben (Gefahrenpotential) ab. Selbstverständlich besprechen wir mit Ihnen gerne, welche Impfungen und in welchem Abstand für Ihren Hund empfehlenswert sind. Der Entscheid, ob und wieviel geimpft wird, fällt selbstverständlich schlussendlich der Tierbesitzer.

 

Genau gleich bei der Katze: Nicht jede Katze wird gleich geimpft. Es hängt stark davon ab, ob sie nach draussen geht, ab und zu ins Katzenheim geht (Ferien) oder auf Reisen mitgenommen wird oder einfach immer zu Hause ist. Je nach Exposition der Katze, wird individuell geimpft und teilweise auch altersabhängig die Impfintervalle verlängert. Impferinnerungen können in variablen Zeiträumen versendet werden. Wir beraten Sie gerne und erklären, was wir Ihnen bei Ihrer Katzen empfehlen würden. Die Besitzer entscheiden ja schlussendlich immer, ob und wie häufig geimpft werden soll. Möchte man hingegen mit seinem Liebling über die Grenze und vorallem auch wieder heim reisen, gibt es zollamtliche Vorschriften, die eingehalten werden müssen (Beispiel: Tollwutimpfung)

 

Und noch etwas zum Schluss: Gerne zeigen Blick, Kassensturz etc mit dem Finger auf ausgewählte Berufsgruppen und stellen diese als die grossen Abkassierer dar. Mag sein, dass die Medien da und dort auch recht haben, aber das gibt ihnen nicht das Recht einfach allen erwerbstätigen mal grundsätzlich diese Einstellung zu unterstellen! Natürlich müssen alle Betriebe, die nicht vom Staat gestützt werden, rentieren, sonst können sie nicht überleben. Für uns können wir jedoch mit gutem Gewissen sagen: Von den Impfungen und dem Verkauf der Medikamente würden wir nicht 'überleben' können. Es ist für uns wirtschaftlich nicht relevant ob eine Katze oder ein Hund mehr oder weniger geimpft wird. Für uns ist nur wichtig, dass gute Prophylaxe betrieben wird, weil wir das als sinnvoll erachten. Würden beispielsweise weniger Katzen geimpft, hätten wir deutlich mehr kranke Katzen, denn besonders in der ersten 4 Lebensjahren sind es neben Unfällen besonders die Infektionskrankheiten, die zu ernsthaften Problemen führen. Oder beim Hund der üble Zwingerhusten: Vor der Nasenimpfung gegen Bordetellen waren viele Hundeheime ein Reservoir dafür und sehr viele Hunde mussten nach einem Hundeheimaufenthalt oder dem Besuch einer Hundeschule mit Antibiotika behandelt werden. Also hätten wir ziemlich sicher sogar mehr (und rentablere) Arbeit, wenn weniger geimpft würde. Das kann ich aus persönlichen, unschönen und frustrierenden Erfahrungen aus früheren Jahren bestätigen, denn damals wurde viel schlechter geimpft und wir wurden viel häufiger mit schlimmen Fällen von Katzenschnupfen, Zwingerhusten und von der unschönen Leukose ganz zu schweigen, konfrontiert. Macht das Sinn? Ich sage Ihnen aus 20 Jahren Berufserfahrung: Nein.

 

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